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Erstelle Charaktere für dein Buch

13. November 2023·8 Min. Lesezeit·Sabrina

Jahrelang habe ich Charaktere so entwickelt, wie es alle empfehlen: mit endlosen Eigenschaftslisten. Bis mir klar wurde, dass genau das der Fehler ist. Figuren entstehen in Beziehung – nicht im Steckbrief.

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Darum geht's

  • Charaktere entstehen in Beziehung, nicht in Einzelprofilen
  • Rollen und Archetypen geben Struktur ohne Enge
  • Zehn Schritte führen dich zum fertigen Charakternetz

Der Charakter und seine Rolle

Eine Figur ist eine erfundene Person, die in deiner Handlung eine tragende Rolle spielt und in deinen Leser:innen etwas auslöst. Freude, Wut, Mitgefühl, Ablehnung. Genau dieses Auslösen ist ihre eigentliche Aufgabe – nicht, besonders interessante Eigenschaften zu besitzen.

Der häufigste Fehler ist, dass du deine Figuren einzeln entwickelst. Du füllst für jede einen Steckbrief aus, notierst Augenfarbe, Lieblingsessen, Kindheitstrauma, und am Ende hast du zehn sorgfältig beschriebene Menschen, die nichts miteinander zu tun haben.

Schreibe nicht über einen Charakter, sondern werde zuerst zu diesem Charakter.

Diese Rollen helfen dir beim Sortieren:

  • Protagonist – die zentrale Figur, deren Reise die Handlung antreibt (Frodo Beutlin)
  • Hauptcharakter – tragende Figur, deren Veränderung die Story prägt (Harry, Hermine, Ron)
  • Antagonist – verhindert aktiv das Ziel des Protagonisten (Lord Voldemort)
  • Verbündeter – treuer Begleiter und emotionaler Spiegel (Samwise Gamgee)
  • Falscher Verbündeter – wirkt hilfsbereit, ist aber feindselig (Professor Quirrell)
  • Falscher Antagonist – wirkt feindselig, ist aber Verbündeter (Severus Snape)
  • Subplot-Charakter – spiegelt den Konflikt der Hauptfigur (Mr. Collins)

Archetypen als Grundgerüst

Archetypen sind wiederkehrende Charaktermuster, die wir alle aus Geschichten kennen. Sie geben dir eine Richtung, ein Verhaltensmuster, eine Erwartungshaltung bei deinen Leser:innen – und du entscheidest, ob du sie erfüllst oder brichst.

Der grosse Vorteil liegt darin, dass Archetypen sich verbinden lassen. Wenn du weisst, welche Rolle eine Figur im Muster spielt, kannst du ihre Beziehungen konsistent gestalten. Und du kannst mehrere Archetypen in einer Figur kombinieren, um Vielschichtigkeit zu erzeugen.

  • Die Königin oder Mutter – fürsorglich, schützend (Königin Gertrud)
  • Der König oder Vater – weise, autoritär (König Arthur)
  • Der Mentor – erfahren, gibt Rat und Anleitung (Obi-Wan Kenobi)
  • Der Kämpfer – mutig und entschlossen (Aragorn)
  • Der Zauberer – macht Verborgenes sichtbar (Gandalf)
  • Der Trickster – listig und humorvoll (Joker)
  • Der Liebende – leidenschaftlich, opferbereit (Romeo)
  • Der Rebell – kämpft gegen den Status quo (Katniss Everdeen)

Wichtig ist: Archetypen sind Strukturhilfen, keine Schablonen.

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Das Charakternetz

Ein Charakternetz macht sichtbar, wie deine Figuren miteinander verbunden sind. Statt einzelner Beschreibungen zeichnest du die Verbindungslinien: Wer vertraut wem, wer hintergeht wen, wer braucht wen, ohne es zuzugeben.

Der Wert liegt darin, dass du sofort erkennst, wo etwas fehlt. Wo eine Figur isoliert hängt. Wo drei Beziehungen exakt dasselbe leisten. Wo der Konflikt zwischen zwei Nebenfiguren mehr Potenzial hat als der, den du gerade in den Mittelpunkt stellst.

Worauf du achten solltest

Wenn du dein Netz aufbaust, achte auf fünf Punkte. Sie entscheiden darüber, ob dein Ensemble lebendig wirkt oder statisch bleibt.

  • Dynamik der Beziehungen – Verbindungen entwickeln sich, haben Höhen und Tiefen
  • Verbindung zu den Hauptthemen – jede Beziehung sagt etwas über das Thema
  • Unterschiedliche Beziehungsarten – nicht alles ist romantisch oder feindselig
  • Rückkopplung – verändern sich Figuren, verändern sich ihre Beziehungen
  • Ausgewogenheit – jede Beziehung braucht einen Zweck
Mini-Übung

Dein Charakternetz in zehn Schritten

Arbeite die Schritte der Reihe nach durch und halte alles schriftlich fest – die späteren bauen auf den früheren auf.

  • Alle Figuren auflisten, Rolle und Archetyp zuordnen
  • Das zentrale moralische Problem der Story bestimmen
  • Figuren vergleichen: Schwächen, Bedürfnisse, Werte, Macht, Status
  • Prüfen, ob jede Figur einen anderen Zugang zum Problem hat
  • Den Protagonisten ausarbeiten – psychologisches und moralisches Bedürfnis
  • Den Charakterwandel festlegen: Selbsterkenntnis am Ende, Bedürfnis am Anfang
  • Notieren, welche Überzeugungen unterwegs hinterfragt werden
  • Den tiefsten Wunsch beschreiben: „Das Ziel meines Protagonisten lautet …

Wenn du bei einer Figur ins Stocken kommst, fehlt ihr meist die Beziehung zu den anderen.

wirklich aufschreiben,
nicht nur denken.

Fazit

Starke Charaktere entstehen nicht aus langen Eigenschaftslisten, sondern aus ihren Beziehungen zueinander. Wenn du Rollen, Archetypen und ein ausgewogenes Charakternetz zusammenbringst, bekommen deine Figuren Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Wer hier schreibt
Sabrina Jordak, Autorin und Gründerin von storify.ing

Sabrina schreibt Romane und weiss, wie es sich anfühlt, in der Mitte eines Manuskripts stecken zu bleiben. Auf storify.ing teilt sie, was ihr selbst geholfen hat, weiterzuschreiben.

Happy storify.ing! Sabrina

Dieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Rom, Italien geschrieben.

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