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Charaktererstellung: 5 Fehler, die du vermeiden solltest

6. März 2024·7 Min. Lesezeit·Sabrina

Manche Figuren bleiben hängen, andere sind nach zwei Kapiteln vergessen. Meistens liegt es an denselben paar Fehlern. Ich habe sie alle selbst gemacht – hier erkennst du sie, bevor sie dein Manuskript kosten.

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Darum geht's

  • Ohne Setting bleiben deine Figuren körperlos
  • Perfektion und Klischees töten jede Identifikation
  • Ohne Entwicklung verschenkst du die Kraft deiner Geschichte

Fehlendes Setting

Das Setting ist die unsichtbare Bühne, auf der deine Charaktere überhaupt erst lebendig werden können. Ohne einen Raum, in dem sie stehen, ohne Geräusche, Gerüche und Temperatur, bleiben sie Stimmen im Leeren.

Die Bühne verrät, woher deine Figuren kommen, was sie sich leisten können, wovor sie fliehen. Ein unaufgeräumtes Zimmer erzählt mehr über eine Figur als drei Absätze Innensicht.

  • Verwende alle Sinne – sehen, riechen, hören, schmecken, tasten
  • Sei kreativ – realistisch, magisch, futuristisch, alles ist möglich
  • Nutze das Setting erzählerisch – über die Interaktion mit der Umgebung

Eindimensionalität

Eine Figur, die nur eine einzige Eigenschaft hat, kann niemanden fesseln. Der Kluge, die Mutige, der Griesgrämige – das sind Etiketten, keine Menschen. Und sobald dein Publikum die Etikette gelesen hat, weiss es bereits alles.

Echte Menschen sind widersprüchlich. Sie sind mutig und feige am selben Tag. Sie wollen Nähe und stossen sie weg. Genau diese inneren Widersprüche geben dir Material für Konflikte, die von innen kommen.

  • Mehr als eine Eigenschaft – Stärken, Schwächen, Ängste, Sehnsüchte
  • Zeige innere Widersprüche – Perfektion ist unrealistisch
  • Gib ihr ein Ziel – das ist Antrieb und Richtung
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Zu perfekt

Makellose Held:innen sind nicht inspirierend, sondern langweilig. Wer alles kann, alles weiss und nie zweifelt, hat nichts zu lernen – und eine Figur, die nichts zu lernen hat, kann sich nicht entwickeln. Damit fällt der ganze innere Bogen weg.

Wir identifizieren uns nicht mit Perfektion, sondern mit dem Kampf.

Schwächen und Fehltritte sind kein Makel, sondern deine wichtigste Ressource. Sie schaffen die Andockstelle, über die deine Leser:innen sich wiedererkennen.

Stereotypen

Klischeehafte Charaktere ersticken das kreative Potenzial deiner Geschichte. Der weise alte Mann, die zickige Rivalin, der herzensgute Sidekick: Sobald dein Publikum das Muster erkennt, kann es die nächsten Kapitel vorhersagen.

Der Ausweg führt über die Motivation. Frag dich bei jeder Figur, was sie wirklich will, wovor sie sich fürchtet, wonach sie sich sehnt. Gib ihr eine eigene Sprechweise, eigene Lieblingswörter. Eine einzigartige Stimme ist das wirksamste Gegenmittel gegen das Klischee.

Und achte auf Vielfalt. Verschiedene Ethnien, Kulturen, Geschlechter und sexuelle Orientierungen machen deine Figurenwelt nicht nur reicher, sondern auch realistischer.

Inkonsistentes Verhalten

Wenn eine Figur plötzlich etwas tut, das nicht zu ihr passt, verlierst du deine Leser:innen. Nicht, weil Menschen immer konsequent wären, sondern weil dein Publikum ohne Begründung nur eines denkt: Das hat die Autorin gebraucht, damit die Handlung weitergeht.

Jede Veränderung im Verhalten braucht eine Ursache – eine Entwicklung oder ein Ereignis, das die Figur dazu zwingt. Brüche sind erlaubt und oft bereichernd, solange sie nachvollziehbar bleiben.

Fehlende Entwicklung

Eine Figur, die am Ende genau dort steht, wo sie am Anfang stand, verschenkt die ganze transformative Kraft deiner Geschichte. Dein Publikum liest nicht nur, um zu erfahren, was passiert, sondern um zu sehen, was das mit einem Menschen macht.

Entwicklung entsteht aus Konflikten. Lass deine Figuren an Widerständen scheitern und daran wachsen. Zeig dabei die inneren Kämpfe: Zweifel, Ängste, die Momente, in denen sie fast aufgeben.

Mini-Übung

Der Widerspruchs-Check

Nimm deine Hauptfigur und fülle die vier Zeilen aus. Wenn dir bei einer nichts einfällt, hast du die Stelle gefunden, an der sie noch Etikette statt Mensch ist.

  • Sie hält sich für … , ist aber …
  • Sie sagt … , meint aber …
  • Sie will … und tut trotzdem …
  • Sie fürchtet sich vor … und geht genau darauf zu, wenn …
wirklich aufschreiben,
nicht nur denken.

Fazit

Wenn du diese Fehler vermeidest, entstehen Charaktere, an die sich deine Leser:innen erinnern.

Charaktere sind die Seele jeder Erzählung – sie bringen uns zum Lachen und zum Weinen, und genau deshalb verdienen sie deine sorgfältigste Arbeit.

Wer hier schreibt
Sabrina Jordak, Autorin und Gründerin von storify.ing

Sabrina schreibt Romane und weiss, wie es sich anfühlt, in der Mitte eines Manuskripts stecken zu bleiben. Auf storify.ing teilt sie, was ihr selbst geholfen hat, weiterzuschreiben.

Happy storify.ing! Sabrina

Dieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Luzern, Schweiz geschrieben.

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