56 Absagen später: Warum ich jetzt 100 sammeln will
56 Absagen. Kein Tippfehler: Meine Contemporary Romance wurde tatsächlich 56 Mal abgelehnt. Jedes einzelne „Nein“ fühlte sich an wie der schriftliche Beweis dafür, dass mein Traum vom eigenen Buch eine Nummer zu groß für mich ist. Doch dann bin ich auf einen Impuls gestoßen, der meine gesamte Sichtweise umgekrempelt hat. Wenn du auch gerade an dir zweifelst, ist dieser Text für dich.
Darum geht's
- wie sich 56 Verlagsabsagen anfühlen und was sie wirklich bedeuten
- warum eine Absage selten ein Urteil über dein Talent ist
- welche Denkverschiebung mir geholfen hat, nicht aufzugeben
- was die 100-Absagen-Challenge damit zu tun hat – inklusive Absagebingo
56 Mal „Leider nein“ – und was das mit einem macht
Ich erinnere mich noch genau an die erste Absage. Eine kurze, freundliche Standard-Mail. Höflich, aber sehr unpersönlich. Ich habe sie dreimal gelesen, als würde sich beim dritten Mal irgendwo zwischen den Zeilen doch noch ein „aber eigentlich…“ verstecken. Tat es natürlich nicht.
Damals dachte ich noch: Okay. Eine Absage. Das passiert. Aber aus einer wurden zehn. Aus zehn wurden zwanzig. Und mit jeder Absage wurde die Stimme in mir ein bisschen lauter, die behauptete:
Vielleicht ist das Buch wirklich nicht gut genug.
Vielleicht bin ich nicht gut genug.
Vielleicht soll ich einfach nicht Autorin sein.
Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe es, weil ich glaube, dass du diese Stimme auch kennst. Und weil viel zu selten laut darüber gesprochen wird, wie viele Absagen zum Schreiben dazugehören und wie verdammt schnell sie sich wie eine absolute Wahrheit anfühlen.
Was eine Absage wirklich bedeutet – und was nicht
Für mich war jede Absage ein Urteil. Über mein Manuskript und alles, was daran hing: meine Idee, meine Stimme, meinen Stil, meinen Traum, Autorin zu sein.
Wenn da stand „passt leider nicht“, übersetzte mein Kopf das mit: Du bist nicht gut genug. Ich habe nie gelesen, was wirklich in der Mail stand. Ich habe nur meine eigenen Ängste schwarz auf weiß gesehen. Das ist das Toxische an Absagen: Sie legen sich zielsicher in die Wunden, die längst da sind. Sie füttern die Angst, zu viel zu wollen. Zu groß zu träumen.
Dabei ist eine Absage kein universelles Urteil. Hinter den Kulissen sitzen Menschen mit Excel-Tabellen, vollen Herbstprogrammen, Marketing-Vorgaben und zu wenig Kaffee. Vielleicht war das Genre gerade gesättigt. Vielleicht hat die Person etwas anderes gesucht. Vielleicht war es verdammt knapp. Und ja, vielleicht war das Manuskript auch nicht perfekt. Natürlich nicht. Welches Manuskript ist das schon?
Aber eine Absage ist nicht dasselbe wie: Deine Story ist wertlos. Sie ist nicht dasselbe wie: Deine Stimme ist „falsch“. Und erst recht kein: „Hör auf zu schreiben“.
Das musste ich erst lernen. Und ganz unter uns: Ich lerne es immer noch.
Wie lange bin ich bereit, an meine Geschichte zu glauben?
Denn genau das ist die alles entscheidende Frage. Nicht, ob ein Verlag mich heute will.
STORYBOOK Teil 1
- Von der Idee zur tragenden Prämisse
- Figuren, Konflikt und Outline in einem Buch
- Mit Übungen zum direkt Reinschreiben
Die Falle, in die ich fast getappt wäre
Es gibt einen Moment – irgendwo zwischen Absage Nummer zwanzig und dreißig –, da fühlt sich Weitermachen nicht mehr mutig an. Sondern nur noch stur. Als würde man immer wieder gegen dieselbe Wand rennen und einfach nicht verstehen wollen, dass sie nicht nachgibt.
In dieser Phase habe ich angefangen, Absagen zu zählen wie Niederlagen. Jede neue Absage wurde ein weiterer Beweis für eine Gleichung, die ich selbst aufgestellt hatte:
viele Neins = schlechtes Buch = keine Autorin
Jetzt, beim Aufschreiben, klingt diese Rechnung natürlich absurd. Aber in den dunklen Momenten fühlte sie sich richtig real an. An Abenden, an denen die Wohnung still ist, der Cursor blinkt und du nicht mehr weißt, warum du das eigentlich tust.
Was mich aus dieser Gedankenspirale herausgeholt hat? Kein billiger Motivationsspruch. Es war eine einzige Frage: Wenn ich aufhöre, weil es schwer ist, was verliere ich dann wirklich?
Die Antwort war nicht nur ein Verlagsvertrag oder ein gedrucktes Buch. Ich würde das Schreiben selbst verlieren. Und nein: Ich will nicht, dass fremde Absagen darüber entscheiden, ob ich schreibe.
Challenge: 100 Absagen – machst du mit?
Dann bin ich über ein Konzept gestolpert, das für mich alles auf den Kopf gestellt hat: die 100-Absagen-Challenge. Das Ziel ist denkbar einfach: Du sammelst keine Zusagen, sondern 100 Absagen.
Klingt erst mal masochistisch, oder? Aber das Geniale daran ist der Mindset-Shift: Plötzlich ist nicht mehr der Erfolg das Ziel, sondern der Versuch. Jedes „Nein“ bedeutet ab jetzt nur noch eins: Du hast es gewagt. Du hast dein Buch in die Welt geschickt und an deine Story geglaubt.
Ich starte diese Challenge jetzt. Mit meinen Absagen habe ich schon einen ziemlich guten Vorsprung, nicht?
56/ 100
Mein Stand
Stand: September 2026
Und weil Absagen sich erstaunlich oft gleichen, kannst du hier gleich mal nachzählen, welche Sätze du schon kennst:
Kurz mitspielen
Absagebingo
Welche Sätze kennst du schon? Klick an, was du selbst bekommen hast. Ein Feld hast du auf jeden Fall sicher.
Nach einer Idee von Ida
Zum Reinhören
Übers Absagensammeln und das Absagebingo spreche ich mit Ida in ihrem Podcast „Erfolglos“. Die Folge erscheint am 30. November.
Scheitern und Weitermachen sind keine Gegensätze – sie sind Teil desselben Wegs. Wenn deine Antwort ein lautes (gerne auch leises) „Ja“ ist: Hol dir meinen 100-Absagen-Tracker. Jedes abgehakte Kästchen ist der Beweis, dass du mutig bist.
Kostenlos zum Download
100-Absagen-Tracker
Zum Ausfüllen am Handy oder zum Teilen in deiner Story.
Was ich dir zum Schluss mitgeben möchte
Ich weiß nicht, ob mein Roman jemals veröffentlicht wird. Vielleicht klappt es, vielleicht endet diese Geschichte ganz anders. Was ich aber sicher weiß: Die größte Gefahr für ein Buch ist nicht die 56. Absage. Die größte Gefahr ist, dass wir danach aufhören.
Bücherschreiben ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und Marathons gewinnt man nicht mit dem schnellsten Kilometer, sondern damit, dass man am Ende noch läuft. Manche Bücher entstehen in ein paar Monaten. Andere brauchen Jahre. Dazwischen liegen Überarbeitungen, Pausen, Zweifel, Absagen, neue Anläufe. Das ist nicht der Umweg. Das IST der Weg.
Wenn eine Absage gerade schwerer wiegt als deine Freude am Schreiben: Hol tief Luft. Und frag dich: Wenn du jetzt aufhörst, weil es schwer ist – was verlierst du dann wirklich?
Dieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Luzern, Schweiz geschrieben.