KI-Tools für Autor:innen
Ein Buch zu schreiben ist kein Sprint – es ist ein Marathon voller Höhen, Tiefen und kreativer Etappen. Von der ersten zündenden Idee bis zur letzten Überarbeitung können KI-Tools dir in jeder Phase zur Seite stehen. Doch welches Tool passt zu welcher Aufgabe? Hier findest du meine Übersicht, sortiert nach den zehn Phasen deines Buchprojekts.
Darum geht's
- Welche Tools zu welcher der zehn Phasen passen
- Mein Einsteigerpaket aus vier Werkzeugen
- Woran du erkennst, ob sich ein Abo lohnt
Warum KI-Tools für Autor:innen hilfreich sind
Künstliche Intelligenz hat den Schreibprozess in den letzten Jahren grundlegend verändert – und bietet Autor:innen heute wertvolle neue Möglichkeiten. Ob Zeitersparnis, frische Impulse oder Hilfe bei Schreibblockaden: KI-gestützte Tools können dich in vielen Bereichen deines Projekts sinnvoll unterstützen. Während du dich ganz auf deine kreative Arbeit konzentrierst, übernehmen sie Aufgaben wie die Recherche, das Strukturieren komplexer Handlungsstränge oder das Überarbeiten deines Manuskripts.
KI ersetzt dich nicht als Autor:in. Sie ist dein smarter Co-Pilot.
1. Mindset, Motivation, Inspiration
Alles beginnt mit der richtigen Einstellung. In dieser Phase legst du das Fundament für dein Buchprojekt, indem du dich inspirieren lässt und fokussierst – du klärst dein Warum, deine Ziele und deine ideale Schreibumgebung.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – vielseitige Chatbots für Selbstreflexion und Denkanstösse. Sie beantworten Fragen wie „Warum schreibe ich eigentlich?“ oder „Was möchte ich mit meinem Buch erreichen?“ Promptidee: Schreib einen Brief an dein zukünftiges Ich.
- Reflectly – KI-gestützte Journaling-App, die dir Fragen stellt und dich dabei unterstützt, Gedanken, Gefühle und Ziele zu reflektieren. Sie erkennt Muster in deinen Einträgen und gibt Feedback zur emotionalen Entwicklung. Die kostenlose Version reicht dafür völlig aus.
STORYBOOK Teil 1
- Von der Idee zur tragenden Prämisse
- Figuren, Konflikt und Outline in einem Buch
- Mit Übungen zum direkt Reinschreiben
2. Ideensammlung und Brainstorming
Die kreative Reise startet hier: Braindump, Ideensprints, Freewriting – Gedanken frei fliessen lassen und danach sortieren, bis Kernthesen und Prämisse stehen.
- ★ Perplexity – Recherche-Tool, das relevante Inhalte zusammenfasst statt endloser Suchergebnisse auszuspucken. Ideal für Ideen zu Stories, Charakteren, Settings und Plots: „Welche Rituale könnten in einer futuristischen Kultur existieren?“ Die Echtzeitsuche liefert Quelllinks mit.
- Deepstash – kurze inspirierende Artikel, Zitate und Denkanstösse – „Denk-Nuggets“, die dir nach deinen Interessen vorgeschlagen werden.
- Miro – digitales Whiteboard für visuelles Denken: Themen, Charaktere und Settings verknüpfen, Mindmaps und Flowcharts erstellen, Skizzen in klare Formen wandeln.
- Sudowrite – speziell für Autor:innen gebaut: löst Schreibblockaden, entwickelt Szenen, Charaktere und Dialoge, mit eigenem Brainstorm-Bereich.
3. Planung
Struktur ist das A und O. In dieser Phase schaffst du Ordnung in deinen Ideen, klärst Zielgruppe und USP, machst erste Recherchen und legst Timeline und Meilensteine fest.
- ★ Notion – mein Lieblingstool: eine zentrale Plattform für Charakterprofile, Settings, Plot-Notizen, Recherche, Meilensteine, Kapitelplanung und Tagesziele. Die Basisversion ist kostenlos und völlig ausreichend – die KI-Features kannst du auch mit der Gratisvariante von ChatGPT, Claude oder Gemini kompensieren.
- Trello – visuelle Boards für Aufgaben und Deadlines. Die KI-Funktionen von Atlassian Intelligence gibt es allerdings nur in den kostenpflichtigen Plänen.
- Evernote – Notizen, Ideen und Recherchen zentral sammeln, mit Tags, Webclipping und Offline-Zugriff – auch auf langen Flugreisen. Achtung: Die kostenlose Version ist inzwischen stark eingeschränkt.
- ★ Perplexity – für die fundierte Vorrecherche zu Setting, Charakterentwicklung und Themen – immer mit Quellenangabe.
4. Charaktere
Jetzt wird es persönlich: Deine Figuren stehen im Mittelpunkt. Du entwickelst Profile, Archetypen, Rollen und das Beziehungsnetz – und verleihst deinen Figuren Tiefe.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Hintergründe, Motivationen, Beziehungen und Konflikte ausarbeiten: „Was treibt meine Hauptfigur an?“, „Wie könnte sich ein Konflikt zwischen diesen zwei Charakteren entwickeln?“ Auch für Bildideen zur Visualisierung geeignet.
- Artbreeder – visuelle Charakterdarstellungen: Gesichtszüge, Frisuren und Hauttöne anpassen, bis die Figur ein Gesicht hat.
- Canva – Charakterboards, Farbschemata, Outfits und Accessoires. Die KI-Bildgenerierung gibt es nur in der kostenpflichtigen Version.
5. Outline
Hier wird aus deinen Ideen ein erster Plan. Eine gute Outline sorgt dafür, dass dein Buch von Anfang bis Ende schlüssig ist.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Kapitelaufteilungen, Szenen, Handlungsbögen, Wendepunkte und Nebenhandlungen vorschlagen lassen – und dann nach deinen Vorstellungen umbauen.
- Plottr – visuelle Outline- und Strukturplanung mit Vorlagen, Zeitachsen und parallelen Charakterentwicklungen. Schlägt Plotstrukturen nach Genre vor – Heldenreise, Drei-Akt-Struktur oder Snowflake-Methode. Es gibt keine dauerhafte Gratisversion, aber eine Testphase.
6. Plot
Deine Handlung nimmt Gestalt an. Jetzt entwickelst du spannende Wendungen, Konflikte und Höhepunkte – und stellst sicher, dass der Plot bis zum Ende hält.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Handlungsstrukturen erstellen und verfeinern, Wendepunkte und emotionale Höhepunkte finden – oder einen bestehenden Plot auf Lücken prüfen lassen.
- Plottr – kapitelweise Planung mit Visualisierung und Zeitachsen.
- Sudowrite – komplette Plots und Handlungsstränge nach Genre und Struktur, mit präzise planbaren Wendepunkten und Spannungsbögen.
7. Setting
Willkommen in der Welt deines Buches: von kleinen Details bis zu grossartigen Landschaften, von allgemeinen Hintergründen bis zu Sinnesbeschreibungen einzelner Szenen.
- ★ Perplexity – authentische Details – etwa zur Architektur einer mittelalterlichen Burg oder zur Flora eines tropischen Regenwalds.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Setting-Brainstorming: „Wie könnte eine mittelalterliche Stadt in den Bergen aussehen?“, „Welche Traditionen könnten die Bewohner eines Wüstenkönigreichs haben?“
- Artbreeder – Landschaften, futuristische Städte und fantastische Architektur als visuelle Referenz.
- Canva – Moodboards, Karten und Szenendarstellungen.
8. Schreiben
Der grosse Moment: Deine Story wird Wirklichkeit, Satz für Satz. Doch eines ist mir hier wichtig zu erwähnen: Schreibe den Text selbst – ohne KI-Unterstützung. Dein Buch soll deine Stimme und deine Seele widerspiegeln. KI-Tools können dich jedoch dabei unterstützen, den Schreibfluss aufrechtzuerhalten oder Schreibblockaden zu überwinden.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Schreibstrategien, Erzählperspektiven und alternative Formulierungen durchspielen, wenn du an einer Stelle feststeckst.
- Sudowrite – Szenen ausarbeiten und Beschreibungen verbessern mit den Funktionen „Describe“ und „Rewrite“ – ohne deine Stimme zu ersetzen.
9. Überarbeiten
Feilen, kürzen, verbessern – hier wird dein Text geschliffen. Du gehst jedes Detail durch und machst deinen Text präziser.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – stilistische Schwächen finden, alternative Formulierungen vorschlagen, Ton und Lesbarkeit prüfen und Logiklücken oder Inkonsistenzen aufspüren.
- ProWritingAid – prüft Grammatik, Stil, Lesbarkeit und Struktur, liefert Berichte zu Satzlänge und Stil und passt den Text an Genre-Standards an. Es gibt eine eingeschränkte Gratisversion und für Vielschreiber:innen eine lebenslange Lizenz.
10. Exposé
Zeit, dein Buch auf den Punkt zu bringen. Das Exposé ist deine Visitenkarte für Verlage und Literaturagenturen: Anschreiben, Klappentext, Charaktere, Storybeschreibung, Autor:innenvita und Leseprobe.
- ★ ChatGPT, Claude, Gemini – Klappentext und Storyzusammenfassung formulieren, das Anschreiben schärfen, den Spannungsbogen prüfen und die Autor:innenvita in eine prägnante Form bringen.
Die Strategie und Struktur muss aber von dir kommen – erstelle zuerst dein eigenes Exposé, bevor du die KI dazunimmst.
Wie du das richtige Tool auswählst
Die Vielzahl an KI-Tools kann überwältigend sein, doch mit einer klaren Strategie findest du das passende:
- Definiere dein Ziel. Möchtest du Ideen generieren, deinen Stil verbessern oder dein Projekt organisieren?
- Teste kostenlose Versionen. Nutze die Basisfunktionen, bevor du dich für ein Abo entscheidest – und achte darauf, ob es überhaupt noch eine Gratisstufe gibt. Bei einigen Anbietern ist sie in den letzten Jahren verschwunden.
- Achte auf deinen Workflow. Manche Tools erfordern Einarbeitung, während andere intuitiv sind.
- Nimm eines nach dem anderen. Zwei Wochen mit einem neuen Tool bringen dich weiter als fünf Abos, die du nie richtig aufmachst.
Mein Einsteigerpaket. Wenn du gerade erst startest, brauchst du keine zehn Werkzeuge. Vier reichen: Notion für die Organisation und Planung deines Schreibprojekts, ChatGPT und Claude für Mindset, Ideen, Charaktere, Setting, Überarbeitung und Exposé, sowie Perplexity für die Recherche. ChatGPT ist für den Einstieg gut geeignet, ich persönlich arbeite inzwischen am liebsten mit Claude.
Wann lohnt sich eine kostenpflichtige Version? Wenn du anspruchsvolle Features wie detaillierte Stilanalysen brauchst, wenn du regelmässig und an grossen Projekten schreibst – oder wenn das Gratismodell schlicht zu limitiert ist, um dir wirklich zu helfen.
Ein Tool, zwei Wochen
Statt zehn Tools auf einmal: Wähle für die Phase, in der du gerade steckst, genau eines – und teste es zwei Wochen lang, bevor du etwas dazunimmst.
- Die Phase, in der ich gerade stecke: …
- Das eine Tool, das ich dafür teste: …
- Was es mir abnehmen soll: …
- Was ich auf keinen Fall abgeben will: …
- Mein Urteil nach zwei Wochen: …
nicht nur denken.
Fazit
KI-Tools sind wie smarte Co-Autor:innen, die dir dabei helfen, deinen Schreibprozess ein bisschen einfacher und effizienter zu machen. Sie nehmen dir nicht die Kreativität ab, sondern unterstützen dich in jeder Phase – von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung.
Probiere aus, welche Tools zu dir und deinem Workflow passen. Aber denke immer daran, dass es deine Worte, deine Kreativität und deine einzigartige Stimme sind, die dein Buch unverwechselbar machen.
Dieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Luzern, Schweiz geschrieben.